Johanna Röh – Tischlermeisterin

1. Was verbindet dich mit dem Handwerk?

Ich habe eher durch Zufall Tischlerin gelernt. Während der Schulzeit wurden mir die Tage im Unterricht zu lang, sodass ich eine Auszeit genommen habe. Ich bin wieder in die Oberstufe eingestiegen, als ich eine Schule gefunden habe, in der ich die Ausbildung zur Tischlerin parallel zur Schule machen konnte. Das war für mich eine gute Abwechslung. Danach konnte ich als Wandergesellin das Reisen mit dem Handwerk verbinden und am Ende hat‘s mir so viel Spaß gemacht, dass ich wusste, dass ich zur Meisterinnenschule gehen will um mich selbstständig zu machen.

2. Was ist aus Deiner Sicht das Dringendste, das die Politik für das Handwerk tun sollte?

Wir haben ein Emanzipationsdefizit. Das betrifft die Denkweise von außen über uns und auch die internen Strukturen. Das Festhalten an alten traditionellen Denkmustern wie das Handwerk ist – all das ist nicht mehr zeitgemäß. Handwerk kann so vielfältig und anders sein! Anspruchsvoll, bewusst produzierend und feministisch. Um das umsetzen zu können, brauchen wir konkrete Änderungen. Das ist beim Mutterschutz für Selbstständige Handwerkerinnen am deutlichsten. Es ist nicht mitgedacht, dass Frauen eigene Betriebe führen und dies gleichzeitig mit der Familiengründung vereinbaren. Die besonderen Schwierigkeiten im Handwerk liegen unter anderem bei den gefährdenden Tätigkeiten während der Schwangerschaft und den fortlaufenden hohen Betriebskosten. Die jetzigen Regelungen zum Krankentagegeld reichen nicht. Hier muss nachjustiert werden, um die Chancengleichheit zu fördern und damit auch dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken.

3. Wie unterstützt Du den ersten Handwerksgrün-Kogress und warum findest Du, dass das wichtig ist?

Ich werde gemeinsam mit meinen Mitstreiterinnen über den Mutterschutz für Selbstständige sprechen, der für Handwerkerinnen so wichtig ist. Wir sehen den Handwerksgrün-Kongress als eine wichtige Plattform für uns HandwerkerInnen, um uns auszutauschen und gleichzeitig in den Dialog mit der Politik zu treten. Dieses Format ist wichtig und muss noch ausgebaut werden.

Foto: Henning Steffen

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