Astrid Hilt – Der Formenpark

1. Was verbindet Dich mit dem Handwerk?

Als Steinmetz- und Steinbildhauer-Meisterin bin ich nicht nur selbst leidenschaftliche Handwerkerin, sondern stamme auch aus einer Handwerkerfamilie. Mein Vater hat einen Stuckateurbetrieb gegründet, den mein Bruder übernommen hat. Alle meine mir bekannten männlichen Vorfahren waren Handwerker oder Bauern. Als Frau war ich aber Pionierin, als ich Steinmetzin gelernt habe, und nach der Meisterinnenausbildung meine Bildhauerei gegründet habe. Inzwischen ist meine Tochter bei mir in der Ausbildung. Sie will meinen Betrieb später übernehmen.

2. Was ist aus Deiner Sicht das Dringendste, das die Politik für das Handwerk tun sollte?

In der aktuellen Situation sind wir alle gefordert, solidarisch zusammen zu stehen. Dabei braucht es mehr den je eine Politik, die auch den Menschen im Handwerk, in den kleinen Betrieben, zeigt, dass ihre Bedeutung gesehen und mitberücksichtigt wird. Allerdings ist jetzt nicht die Zeit des Status Quo – Perspektiven sind gefragt, und die können wir nur gemeinsam entwickeln.

Ich wünsche mir vor allem, dass wir gerade jetzt eine gute und faire Absicherung für Selbständige in Schwangerschaft und Elternzeit auf die Beine stellen. Es muss aber auch Unterstützung für energieintensive Betriebe bei der Umstellung auf kostengünstige erneuerbare Energie geben. Als Ausbilderin – und zur Zeit auch Berufsschullehrerin in Vertretung – sehe ich, dass Azubis oft mit weniger Geld auskommen müssen als gleichaltrige Studierende. Das passt nicht zusammen. Auch darüber müssen wir dringend reden.

Vom Kurzarbeitergeld bis Sonderzahlungen sind viele Werkzeuge der Wirtschaftsförderung und Arbeitsmarktsicherung nicht wirklich für Klein- und Kleinstbetriebe gestrickt. Dabei arbeitet ein Großteil der Erwerbstätigen in Betrieben mit bis zu 10 Beschäftigten. Dieser wichtige Teil des Arbeitsmarktes wird bisher viel zu oft übersehen. Da muss in Zukunft viel mehr Austausch auf breiterer Basis erfolgen. Wir haben mit HandwerksGrün dazu einen ersten Aufschlag gemacht, und unser Erfolg kann sich sehen lassen – nicht nur dadurch, dass wir aktiv programmatisch mit gestalten, wir haben das Handwerk zum wirtschaftspolitischen Thema gemacht. Lasst uns im engen Austausch miteinander den politischen Rahmen bauen, in dem es weiter wachsen kann.

3. Wie unterstützt Du den ersten Handwerksgrün-Kogress und warum findest Du, dass das wichtig ist?

Als Bundessprecherin des Vereins habe ich den Kongress mit auf den Weg gebracht. Mit dem Kongress bringen wir unsere Arbeit in die Bundeshauptstadt. Dadurch, dass wir im Verein einen tiefgreifenden Einblick in die handwerkliche Seite nachhaltiger Wirtschaft haben, haben wir die wichtige und dängende Mission, den Themen, die Handwerk und sozialökologische Transformation verbindet, politisches Gehör zu verschaffen. Ich freue mich über das große Interesse, auf das wir im Vorfeld schon getroffen sind. Jetzt gilt es, die Kontakte auszubauen und für die Belange, die wir aus der Praxis kennen, gemeinsam gute Lösungen zu erarbeiten.

Foto: Zippo Zimmermann

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